Führen ist eine bühnenreife Leistung

Leben und arbeiten. Kaum etwas ist schwieriger unter einen Hut zu bringen. Maren Lehky ist davon überzeugt, dass sich das ändern lässt. Die Unternehmerin und Buchautorin hält Führung für den Schlüssel zu Unternehmenserfolg und gelingendem Arbeitsleben. Ein Interview.

Für die meisten Menschen ist der Feierabend das Beste am Arbeiten.

Stimmt, wenn Menschen über ihre Arbeit reden, schimpfen die meisten über ihren Job. Aber das zeigt nur, Arbeit ist ein zentrales Thema, für alle Altersgruppen. Man arbeitet zu viel oder hat gerade keine Arbeit; man ist auf der Suche nach dem richtigen Einstieg, würde sich gern neu orientieren oder plant den Ausstieg. Ich halte das Thema Arbeit für ein genauso existenzielles Thema wie Liebe und Gesundheit.

Dann läuft im real existierenden Arbeitsleben wohl etwas ziemlich falsch.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Führung der entscheidende Hebel ist. Mit guter Führung gelingt es, das Arbeitsleben für alle Beteiligten positiver zu gestalten. Führung ist die Bedingung, um Unternehmenserfolg zu gestalten und Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Erfolg eines Unternehmens und die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter sind Chefsache?

Ja, es ist ihre Verantwortung. Natürlich. Bevor sich wirksame Führung allerdings in positiven wirtschaftlichen Kennzahlen ausdrücken kann, wartet auf den Chef eine Menge anderer Arbeit. Zuallererst ist Führung eine hoch emotionale Angelegenheit. Es geht um Ehre, Leidenschaft, Ehrgeiz, Erfolg und Rückschläge, Verantwortung, Kraft und Balance, Macht und Ohnmacht.

Willkommen im Theater?

Ein treffender Vergleich. Ja, gute Führung ist eine bühnenreife Leistung. Als Führungskraft stehen wir jeden Tag im Rampenlicht, wir werden von Menschen vor und hinter der Bühne bewertet. Wir managen Gefühle: die unserer Mitarbeiter und unsere eigenen. Darüber wird kaum nachgedacht. Wie viel eine Führungskraft mit sich ausmachen muss, wie sehr sie in ihrer Aufgabe zu Selbstreflexion und persönlicher Entwicklung gezwungen wird.

Konkret: Wie ist die Handlung des Stücks?

Mitarbeiter, die »maulen«, Mitarbeiter, die nicht überzeugt sind, Anhäufungen von Fehlern – und kein Rezept in Sicht! Da ringt man mit sich, seiner Hilflosigkeit, dem Wunsch, das Ruder herumzureißen, und den Versuchen, Altbewährtes zu probieren. Das macht man so lange, bis es funktioniert, die Stimmung sich dreht, Vertrauen aufgebaut ist und man erleichtert verschnauft. Bis zur nächsten Herausforderung, die sich in unruhigen Nächten zeitweise als unlösbar zeigt. So wächst man im wahrsten Sinne des Wortes an seinen Aufgaben.

Klingt wie ein Fass ohne Boden. Wo setzen Sie in Ihren Seminaren, Coachings oder Vorträgen an?

An einem sehr pragmatisch-handwerklichen Punkt: Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder führen kann, der es will und der es gut machen will. Die Werkzeuge kommunikativer Art – etwa Führungsstile, Methodiken und Strategien – lassen sich gut vermitteln und vor allem auch sehr gut trainieren. So geht es bei mir immer um ganz konkrete Lösungsansätze auf sehr konkrete Fragen.

Verschreiben sich Ihre Bücher einem ebenso pragmatischen Ansatz?

Absolut, es ist mir ein Anliegen, den Lesern auch hier Antworten zu geben. Ich bewundere  jeden, der sich trotz seiner intensiven Arbeitszeit noch ein Sachbuch zum Thema Führung kauft und dieses in seiner Freizeit liest. Ich bin immer ganz stolz und gerührt gleichermaßen, mit meinen Büchern bei jemandem im Urlaubsgepäck zu landen oder auf dem Nachttisch zu liegen. Und deshalb sind die Bücher immer so aufgebaut wie ein Coaching. Es werden Fragen aufgeworfen, die zur Reflexion anregen. Und nach einer geballten Ladung einschlägiger Information und Lehrreichem, das man sich selbst aus Zeitmangel so gar nicht erschließen könnte, gibt es dann Antworten und Tipps für die Bewältigung der Führungsaufgaben. Das wird besonders deutlich bei meinem neuesten Buch, das den Titel „Leadership 2.0“ trägt und sich mit all den Fragen auseinandersetzt, die die „schöne neue Arbeitwelt“ für uns bereit hält und auf die bisher noch keiner geantwortet hat.

Hat Maren Lehky gelegentlich auch mal Feierabend?

Aber ja! Ich tanke auf, indem ich mit meinem Mann oder meinen Freundinnen in wohliger Atmosphäre Zeit und Nähe teile. Ich bin gern am Meer oder treibe mich im Garten herum – und zwar in Gummistiefeln und mit Schiebkarre. Sehr befriedigend zu sehen, wenn man etwas geschafft hat. Eingehüllt in die typischen Düfte der Jahreszeiten, begleitet von neugierigen gefiederten oder vierbeinigen Genossen. Und bei den schlichtesten Aufgaben entstehen häufig gute Ideen für neue Projekte oder Formulierungen für Texte, an denen ich gerade sitze.